Eine Hochschule stellt sich ihrer – aufgezwungenen – Strategiediskussion. Die Fachhochschule Vorarlberg lässt sich – von Aussen – die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Gestaltungsstudiums stellen. Entschieden ist noch nicht, sei noch nichts. Allein, daß die Frage aufkommt beunruhigt. Allein, daß nicht offen – auch mit den Betroffenen – diskutiert wird, beunruhigt. Gerade das Säulenmodell: Technik, Wirtschaft, Gestaltung und Soziales der Fachhochschule Vorarlberg ist ein zukunftweisendes Modell. Es anerkennt eine gesamtheitliche Sicht, eine transdisziplinäre Arbeitsweise und eine Vielfalt an Betrachtungsmöglichkeiten.
Gerade ein akademisch recht leere Feld wie Vorarlberg kann sich es vermutlich nicht leisten eine zu spezifizierte Hochschule zu haben. Möglich ist alles. Vieles wird dabei aber Unmöglich. Ob eine ständige Verunsicherungsdiskussion allerdings eine zukunftsweisende Entwicklung einer Hochschule ermöglicht, es sei zumindest befragt. Es geht aber in diesem Prozess um mehr: um das Verständnis von Hochschule überhaupt. Eine Hochschule kann nicht als Wirtschaftsbetrieb betrachtet werden, darauf hat gerade unlängst der Rektor der Fachhochschule Salzburg Dr. Erhard Busek hingewiesen. Eine Hochschule benötigt eine Streitkultur und kann sich nicht enwickeln wenn „Begleiter“ sie wie „Aufseher“ ständig an der Hand führen und Diskussionen verhindern.
Die GestalterInnen der Hochschule sind ob solcher Strategieüberlegungen in Sorge. Dass wir diesen Studiengang,als Gestaltungsstudiengang wollen, das ist klar. Wir wollen ihn aber nicht nur für uns, wir wollen ihn für die Studierenden (deren Interessen wir nicht auf wirtschaftliche Effizienz reduzieren sollten) und wir erachten ihn für dieses Land als sehr wichtig. Eine Hochschule als Ort eines offenen und freien Diskurses ist für ein Land das sich seiner Verantwortung bewußt ist eine Notwendigkeit. Wer den Stellenwert der sozialen Arbeit und der medialen Gestaltung in dieser Gesellschaft nicht sieht, handelt fahrlässig und geblendet von ideologischen oder profitablen Interessen. Wenn Wirtschaft und Technik für den Menschen da sein sollen (und nicht umgekehrt), dann sind Soziales und Gestaltung unverzichtbar.
Wem dieser Studiengang auch ein Stück Herzschlag dieser Region und der Fachhochschule bedeutet, sie oder er möge es laut sagen, singen, schreiben – oder wie immer. Die Diskussion und der offene Diskurs (d.h. der akademische Diskurs) über die Ziele und die Strategien der Fachhochschule Vorarlberg sei eröffnet.